Auf einem Betrieb mit einem durchschnittlichen Viehbestand von 25 Fleckviehkühen trat das Problem der übergroßen Kälber bei etwa einem Viertel aller Abkalbungen auf. Im Sommer sind die Kühe und Färsen auf der Weide, im Winter stehen die Kühe in Anbindehaltung und werden mit Heu und Grassilage gefüttert. Abkalbungen finden im Winter statt. Um Verluste bei Kühen und Kälbern sowie Geburtsverletzungen aufgrund von zu großen Kälbern zu verhindern, wurde ein System entwickelt, um die Größe des ungeborenen Kalbes und die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Geburt zu bewerten.

Foto:BRS

Sobald die Fruchtblase geplatzt ist, wird eine Untersuchung durchgeführt. Das Kalb wird vorsichtig in Richtung Gebärmutterhals gezogen. Kurz vor dem Eintreten des Kalbes in den Beckenkanal der Geburtswege wird eine flache Hand auf die Stirn des Kalbes gelegt. Mit der auf der Stirn ruhenden Hand wird das Kalb vorsichtig weiter in den Geburtsweg gezogen. Wird die Hand leicht gedrückt, kann aber ohne große Anstrengung auf der Stirn des Kalbes gehalten werden, kann das Kalb auf natürliche Weise geboren werden. Wird die Hand stark gequetscht, wird sofort der Tierarzt informiert.

Die Entscheidung, ob das Kalb auf natürliche Weise geboren werden kann, wird dann vollständig an den Tierarzt delegiert. Mit diesem Vorgehen konnte die Kälbersterblichkeit deutlich reduziert werden. Wenn überhaupt, treten Geburtsverletzungen bei Kühen nur noch in Einzelfällen auf.

Im vorgestellten Fall führten Landwirt und Tierarzt die Beurteilung der Größe des Kalbes zunächst gemeinsam durch. Das Verfahren ist eine mündliche Absprache, die zunächst unter Aufsicht geübt wurde. Der Landwirt musste lernen, bis zu welcher Größe die Kälber die Geburtswege unbeschadet durchlaufen können. Die Entwicklung einer guten Urteilsfähigkeit hierfür dauerte etwa eine Kalbesaison.

In der Praxis ist es notwendig, sich daran zu erinnern:

  • Es gibt nur "zu groß" oder "nicht zu groß" KEIN "versuchen wir es"!
  • wenn man sich nicht sicher ist, die Entscheidung dem Tierarzt überlassen
  • das Verfahren muss bei jeder Kalbung durchgeführt werden, auch nachts!

 

Dieses Vorgehen hat Auswirkungen auf:

  • Sozioökonomische Belastbarkeit: Tierarztkosten, Verluste von Kälbern und Kühen durch Schwergeburten
  • Tiergesundheit und Tierschutz: Tierarztkosten, Reduktion von Kälberverlusten während des Kalbens, Reduktion von Geburtsverletzungen bei Kühen, Langlebigkeit der Kühe
  • Produktionseffizienz und Fleischqualität: Erhöhung der Anzahl der aufzuziehenden Kälber, Verringerung der frühzeitig abgehenden Kühe aufgrund von Geburtsverletzungen


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